Weltweit wird auch in diesem Sommer in vielen Städten der „Christopher Street Day“ begangen. Der Aktionstag setzt sich gegen Diskriminierung und Ausgrenzung von queeren Menschen ein. Als "queere Menschen" werden beispielsweise homosexuelle, bisexuelle, intergeschlechtliche und Trans* Menschen bezeichnet. Mit bunten Umzügen, Tanz und Musik wird gefeiert und Toleranz und Gleichberechtigung gefordert.
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Christopher Street Day-Parade in München unter dem Motto: "Gleiche Rechte und Akzeptanz".
Was bedeuten Homosexualität, Bisexualität, intergeschlechtlich und Trans*?
Homosexuelle Menschen fühlen sich zu Menschen des gleichen Geschlechts sexuell hingezogen: Schwule Männer lieben Männer, lesbische Frauen lieben Frauen.
Bisexuelle Menschen fühlen sich sowohl zu Männern als auch zu Frauen hingezogen.
Wer intergeschlechtlich ist, hat bei der Geburt keine medizinisch eindeutigen weiblichen oder männlichen Geschlechtsmerkmale.
Trans* Menschen fühlen sich mit dem Geschlecht, mit dem sie geboren sind, fremd und identifizieren sich mit dem jeweils anderen Geschlecht. Manche Trans* Menschen fühlen sich weder als Frau noch als Mann.
Was bedeutet Queer-Sein für den Alltag?
In den Menschenrechten steht, dass alle Menschen das Recht auf ein freies Leben in Würde haben. Trotzdem werden queere Menschen oft ausgegrenzt, benachteiligt, beschimpft und angefeindet. Manchmal wird zum Beispiel das Wort „schwul“ als Schimpfwort benutzt. Viele Menschen brauchen großen Mut, um sich zu ihrer sexuellen Neigung oder ihrer Identität zu bekennen.
Verboten und verfolgt
Homosexualität war in Deutschland lange Zeit verboten. Erst seit 2017 ist es für gleichgeschlechtliche Paare erlaubt zu heiraten und Kinder zu adoptieren. In einigen Ländern ist es noch heute verboten, schwul oder lesbisch zu sein oder Männer und Frauen zu lieben. In manchen Ländern steht darauf sogar die Todesstrafe.
Woher kommt der Name „Christopher Street Day“?
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Die Statuen von zwei Frauen und zwei Männern im Christopher Park in New York erinnern an den Aufstand in der Christopher Street.
Vor 57 Jahren, in der Nacht vom 27. auf den 28. Juni 1969, fand in einer Bar in der Christopher Street in New York eine Polizeirazzia statt. Die Bar war ein bekannter Treffpunkt für queere Menschen. Regelmäßig verhaftete die Polizei damals Barbesuchende, da ihr Verhalten als anstößig betrachtet wurde. An diesem Abend ließen sich die Menschen die Razzia nicht einfach gefallen. Sie wehrten sich gegen den Polizeieinsatz, aber auch gegen jahrelange Herabwürdigung, Verachtung und Hass. Es gab Verletzte auf beiden Seiten.
Ein Wendepunkt
Der Widerstand dieser Nacht war ein Wendepunkt und führte zu Veränderungen. Zum einen zeigten sich queere Menschen nach dem Aufstand selbstbewusster in der Öffentlichkeit. Immer mehr bekannten sich zu ihrer Sexualität. Zum anderen entstand eine Bewegung, die öffentlich gegen die Benachteiligung von Homosexuellen aufrief. m Gedenken an den Aufstand findet in der New Yorker Christopher Street jährlich am letzten Samstag im Juni ein Straßenumzug statt.
Christopher Street Day weltweit
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Eine Parade zum "Christopher Street Day" in New York. Ins Deutsche übersetzt, steht auf den T-Shirts: "Homosexuell ist okay".
Dieser Umzug ist das Vorbild für Christopher Street Days (CSD) rund um die Welt. In vielen Ländern finden Umzüge statt. In Deutschland gingen Schwule und Lesben erstmals 1979 in Berlin und Bremen auf die Straße, um für ihre Rechte zu demonstrieren. In den ersten Jahren vermummten sich viele Teilnehmende, um nicht erkannt zu werden. Sie fürchteten Ausgrenzung, Diskriminierung und berufliche Nachteile.
Und der Regenbogen?
Der Regenbogen gilt als Symbol für Vielfalt: zum Beispiel für Homosexualität und für das „Queer sein“. Die Regenbogenfahne sieht man bei vielen Umzügen am Christopher Street Day. Familien mit zwei Müttern oder zwei Vätern nennt man auch Regenbogenfamilien.
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Gabriel und seine kleine Schwester Emilia haben zwei Mütter.