Heute vor 55 Jahren, am 20. Oktober 1971, wurde verkündet, dass der damalige Bundeskanzler Willy Brandt einen ganz besonderen Preis bekommen sollte: den Friedensnobelpreis. Dieser Preis wird an Menschen vergeben, die sich ganz besonders für den Frieden in der Welt eingesetzt haben.
Anerkennung für Friedensbemühungen zwischen Ost und West
Willy Brandt wurde 1971 mit dem Friedensnobelpreis geehrt, weil er sich besonders für die Aussöhnung zwischen Ost und West Eingesetz hatte. Seit dem Zweiten Weltkrieg gab es große Spannungen. Auf der einen Seite standen die Sowjetunion und die von ihr abhängigen Staaten in Osteuropa, auf der anderen Seite die westlichen demokratischen Staaten unter Führung der USA. Man nennt das auch den "Kalten Krieg". Deutschland war zu dieser Zeit in die demokratische Bundesrepublik Deutschland und die sozialistische DDR geteilt. Brandt hat als westdeutscher Bundeskanzler die Hand zur Versöhnung ausgestreckt und für Gespräche zwischen Ost und West gesorgt. So hat er dazu beigetragen, dass wir heute in einem friedlichen Europa leben können.
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Im Kalten Krieg verlief die Grenze zwischen West-Berlin und Ost-Berlin direkt hinter dem Reichstag. Hier sieht man den Berliner Bürgermeister Willy Brandt (den späteren Bundeskanzler). Er forderte 1960 für alle Menschen in Ost und West Freiheit.
Eine unerwartete Unterbrechung
Den 20. Oktober 1971 hat Willy Brandt wahrscheinlich nie vergessen. An diesem Tag diskutierte der Deutsche Bundestag gerade über den Bundeshaushalt für das Jahr 1972. Da unterbrach plötzlich der Bundestagspräsident die Sitzung für eine wichtige Mitteilung: Es war ein Telegramm aus Schweden eingetroffen mit der Entscheidung des Nobel-Komitees, dass Willy Brandt den Friedensnobelpreis bekommen würde. Es gab großen Beifall - auch Politiker aus der Opposition applaudierten dem Kanzler. Brandt bekam den Preis wenige Wochen nach diesem denkwürdigen Tag, am 10. Dezember 1971, in der Universität von Oslo verliehen.
Übrigens:
Willy Brandt war nicht der erste Deutsche, der den Friedensnobelpreis bekommen hat. Vor ihm wurden damit schon die Politiker Gustav Stresemann (1926), der Historiker und Pazifist Ludwig Quidde (1927) und der Journalist Carl von Ossietzky (1935) ausgezeichnet.