Frauen im deutschen Parlament – das ist für uns heute eine ganz normale Sache. Heute vor 107 Jahren, am 19. Februar 1919, war es fast eine Revolution, als Marie Juchacz im Deutschen Parlament (das man damals Nationalversammlung nannte) ans Mikrofon ging und eine Rede hielt.
Eine Frau mischt mit
Die Sozialdemokratin wurde sofort deutlich: Die Frauen, sagte sie, hätten keinen Grund, der Regierung dafür dankbar zu sein, dass sie nun auch im Parlament mitreden dürften. Denn die Regierung habe den Frauen nur das gegeben, was ihnen bis dahin zu Unrecht vorenthalten worden war: das Wahlrecht und die Möglichkeit, politisch aktiv zu sein.
Wie war es vorher?
Tatsächlich hatten Frauen in Deutschland bis 1918 kaum politische Mitwirkungsmöglichkeiten. Bis 1908 durften sie weder in politischen Vereinen Mitglied sein, noch an politischen Versammlungen teilnehmen. Das Wahlrecht bekamen sie sogar erst nach dem Ersten Weltkrieg.
Kampf für Gleichberechtigung
Die Frauenbewegung hatte schon im 19. Jahrhundert für die Gleichberechtigung gekämpft. Aber es war ein langer und mühevoller Kampf. Doch in der Weimarer Verfassung von 1919 stand es dann schwarz auf weiß: Das Wahlrecht galt für „alle mindestens zwanzig Jahre alten männlichen und weiblichen Personen“.
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"Wähle! Der Heimat Schicksal wird durch Dich bestimmt!" Ein Wahlaufruf an Frauen aus dem Jahr 1919.
Und die Frauen haben das Wahlrecht wahrgenommen!
82 Prozent der wahlberechtigten Frauen gaben ihre Stimme ab bei der Wahl zur ersten Nationalversammlung. 37 Frauen kamen als Abgeordnete ins Parlament. Eine von ihnen war Marie Juchacz. Die im Jahr 1879 geborene SPD-Abgeordnete hat sich ihr Leben lang für Frauen und für arme Menschen engagiert. Sie gehörte zu den Gründer/-innen der Arbeiterwohlfahrt (AWO), einem Wohlfahrtsverband, der sich bis heute für benachteiligte Menschen einsetzt. Bis 1933 blieb sie Abgeordnete des Deutschen Parlaments.
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Frauen und Männer stehen Schlange vor einem Wahllokal in Berlin am 19. Januar 1919.
2005: Erste Bundeskanzlerin
Inzwischen ist bei der Gleichberechtigung von Frauen und Männern vieles erreicht worden. Im Deutschen Bundestag stellen Frauen fast ein Drittel aller Abgeordneten, Frauen arbeiten als Ministerinnen, in den Parteien haben sie mehr als nur ein Wort mitzureden. Und von 2005 bis 2021 war Angela Merkel Deutschlands erste Bundeskanzlerin.
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Angela Merkel wird am 22. 11. 2005 im Deutschen Bundestag als Bundeskanzlerin vereidigt.